FLUOGRÜN IM FARBGARTEN

NINA PRADER IM GESPRÄCH MIT DEM BERLINER STUDIO DRUCKEN 3000

In einem Hinterhof in Berlins Mitte wuchert ein paradiesischer Garten. Hier versteckt sich das gemütliche RISO Studio Drucken3000. Umgeben von silbernen Macs, Regenbogenpapier, hunderten leergedruckter Farbkartuschen und einer Wand aus RISO Farbtrommeln, parkt unter einer deckenkratzenden Palme die Zweifarb-A3 Maschine RISO MZ1070 und wartet auf Druckaufträge für die Sub- und Hochkultur.

Durch einen glücklichen Zufall begann das Studio, mit RISO Drucktechniken auf ihrer Maschine digital zu experimentieren und beherzt ihre eigenen Druckmethoden zu entwickeln. Nun sind sie Fach-und Farbexperten, die nach dem idealen Fluogrün forschen.

Hier geht es zum Gespräch:

Wie habt Ihr Euren RISO kennengelernt?

Vor drei Jahren ist uns die Maschine mehr oder weniger zugelaufen. Ein befreundeter Kollege hatte keinen Platz mehr dafür. Er durfte das 500 Kilo-Monster erstmal bei uns unterzustellen. Kaum stand der RISO hier, war es um uns geschehen. Wir haben uns sofort in sein Schwarz, Rot, Lila und Gelb verliebt und begannen damit los zu drucken. Wir wollten ihn nicht mehr hergeben. So kam es, dass wir ihn wenige Monate später in unseren Besitz nahmen. Farbtrommel um Farbtrommel kam dazu.

Damit die Trommeln nicht eintrockneten, luden wir zunächst Freunde und Kollegen ein, auf unserer MZ1070 zu drucken. Später wurde dann ein richtiges kleines Business mit Name, Webseite und Facebook daraus.

Der RISO arbeitet mit Grenzen, aber Ihr beweist mit ausgefallenen Methoden wie drucken auf Steinpapier, dass die Maschine noch zu viel mehr fähig ist. Diese ,,Next Levels“ – wie haben die sich ergeben? 

Wir sind ja gelernte Kommunikationsdesigner und betreiben seit 25 Jahren ein gutgehendes Designstudio (xplicit.de).

Es kam aber ganz automatisch. Die Maschine lädt zum Experimentieren ein. Wir haben verschiedene Papiere und Farbmischungen versucht. Die vier Farben zu dem Gerät haben bald nicht mehr ausgereicht. Da mussten noch andere Farben dazu. Mittlerweile drucken wir mit achtzehn Farben.

Zwar stehen wir mit unserem Design nicht gerade für eine Glatt-und-Lack Ästhetik, aber wir haben immer sehr viel Offset & Digital drucken lassen. Diese Ästhetik wurde uns zunehmend langweilig. Von daher fanden wir die RISO Haptik mit ihrem Low-Tech-Charme super spannend. Ganze Messestände und Kindermuseums-Ausstellungen haben wir mit RISO Drucken tapeziert…

Für das Grafikdesign verwendet Ihr vornehmlich digitale Tools, der RISO scheint hier das analoge Gegenteil zu sein. Ist das Kunst oder Design?

Der RISO - durch seine Kunstdrucktechnik - ermöglicht uns auch das Künstlerische.

Wir lieben das Imperfekte! Beim RISO kannst du dir richtig analog die Finger schmutzig machen!

Wir drucken im Eigenverlag auch typographische Monatsblätter wie Kalender. Wir fanden die Maschine auch so toll, weil wir das Drucken selber in die Hand nehmen konnten und nicht outsourcen mussten. Wir drucken aber auch viel für andere Leute: IllustratorInnen, KünstlerInnen, andere GrafikerInnen, die hier vorbeikommen.

Das Interesse an dieser Technik nimmt auch deutlich mehr zu.

Image2: Foto: Nina Prader

Wie passt Ihr auf Euren RISO auf? Wie pflegt Ihr ihn?

Das Gute an der Maschine ist, dass die Technik äußerst robust ist. Die beste Pflege ist es, den RISO so oft wie möglich laufen lassen. Ab und zu müssen die Walzen abgewischt werden.

Aber die Kollegen von RISO Berlin lassen uns auch nicht lange warten. Zum Notfall, gibt es glücklicherweise den Herrn Kühn!

Ihr habt Eurer Sortiment mittlerweile auf 18 Farben ausgeweitet. Die Farben im Studio wirken wie ein ganzer Süßigkeiten Laden. Wie kam die Farbauswahl zustande?

Image3: Foto: Nina Prader

Ja, alle Bonbons dieser Welt. Zuerst die Klassiker, da mussten wir nicht wählen. Die waren ja schon beim Kauf der MZ dabei. Aber dann mussten schnell die Fluo-Farben her! Fluo-Pink und Fluo-Orange sind einfach Wahnsinn! Dieses Farbspektrum bleibt dir in anderen digitalen Drucktechniken komplett verschlossen. Ein paar RISO Custom-Colors haben wir uns auch in Japan anmischen lassen… Weiß oder Metallic Gold zum Beispiel.

Und dann wollten wir Fluo-Grün. Das gibt es aber noch nicht als Standardfarbe. Wir haben es in Auftrag gegeben, es wurde ein sehr schönes hell Grün. Irgendwann haben wir dann den Haushaltsquirl hervorgeholt und es mit eigenen Farbmischungen versucht – immer auf der Suche nach dem perfekten Grün! Das hatte auch interessante Ergebnisse, die aber nicht Neon sind.

Wir hoffen weiterhin sehr darauf! Ansonsten steht Aqua Blue ganz oben auf unserer Wunschliste!

Welches Druckprojekt hat Euch besonders herausgefordert?

Kürzlich haben wir ein 180-seitiges Buch in einer 150er Auflage gedruckt. Das waren insgesamt 13.500 Blatt, vorder- und rückseitig bedruckt. Schon alleine wegen des Papier-Handlings war das eine ziemliche Herausforderung. Eigentlich ist jedes einzelne Projekt ein tolles Erlebnis.

Da wir uns viele Motive unserer Druckkunden immer wieder total begeistern, sind wir auf die Idee gekommen, sie online in unserem Galerie-Shop zu zeigen und auch gleich zum Kauf anzubieten: Seit kurzem sind wir mit auf flat-gold.de online, wo wir einige der schönsten Artworks von tollen Artists ausstellen und verkaufen.

Muss man eine Ahnung vom RISO haben, wenn man bei Euch drucken will?

Wir freuen uns über jedes Gespräch über RISO und fachsimpeln nach Herzenslaune. Gerne machen wir auch Workshops für Einzelpersonen oder Studentengruppen. Drucken-to-go! Das Vorbereiten der Dateien, das Ausprobieren der Farben und schließlich das Drucken selbst, alle Bereiche des Arbeitsprozesses machen immer wieder viel Freude. Für jemanden, der vom RISO keine Ahnung hat, gibt’s also was zu lernen … und coffee for free. Und die Gewissheit, dass sie oder er am Ende des Tages einen tollen Druck mit nach Hause nimmt!

Image4: Foto: Drucken 3000

 

http://www.drucken3000.de/

http://www.flat-gold.de/#/

Nina Prader ist Künstlerin, Kulturjournalistin und Autorin. Ursprünglich aus Washington D.C., lebt und arbeitet sie in Wien und Berlin.

Ihre Werkzeuge sind Texte, Bilder, Comics, Radio und Zines.