RISO PRINTFEST BERLIN 2017

Ein Herzstück der Nachbarschaft

Am 05. Mai veranstalte Urban Spree das Berlin Risofest. In dem hybriden Galeriekonzept aus Buchladen und Workshopraum, das sich urbanen Kulturen widmet, gab es die gemeinschaftliche Utopie der Berliner Szene rund um die Kultur des Risographen zu entdecken.

Berlin Riso Printfest 2017 ist ein Happening. Zünder für den Anlass ist der Druck des Designerbuchs Risomania, das in aller Ausführlichkeit über die internationale Geschichte, Technik und Kultur des Schablonendruckers berichtet. Das Spektakel wurde von dem Herausgeber Vetro Editions organisiert. Fast alle Risographen Nutzer in Berlin und Umkreis wie Drucken 3000, Die Brueder , Colorama, Pogo Books, Zirkumflex, We Make It, Blink Blink, Penthaus für schöne Formate, Riso Club Leipzig und Inkwell Press wurden zusammengetrommelt. In einem eintägigen Fest wird Do-It-Yourself Drucken mit Ausstellung, Workshop, Marktstand und Bierchen in der Hand gefeiert.

Kostbar ist das Risomania Werk in einer Vitrine präsentiert. „Einerseits ist das Buch der Vorwand zur Feier, anderseits wollen wir die RISO Kultur in Berlin zelebrieren,” meint der Kurator des grundlegenden Buches, Luca Begoni. Der Textautor der Leitschrift John Z. Komurki weiter:,,Die Idee war es, alle Berliner Studios zusammenzubringen und auf eine DIY-Art eine Momentaufnahme der Szene zu zeigen.”

Das ganze Event ist selbst-gefördert, handgemacht und mit viel Leidenschaft umgesetzt. Warmes Neonlicht beleuchtet aus Paletten gebaute Sockel und Tische, die symbolischen Bausteine der Maker Bewegung. Auf ihnen liegen Zines - selbst-verlegte Büchlein und Magazine - , Poster, Postkarten und andere Ware, die mit der RISO Kunstdrucktechnik bedruckt oder verziert sind, zur Ansicht. Manche der Wände sind sogar mit künstlerischen Tapeten dekoriert, kuratiert von Luca Bogoni Design Studio. Ob Comicfiguren oder biedermeierliche Muster von Blumen und Ming-Vasen, die leuchtenden Farben des RISO Drucks lassen jedes Motiv knalliger und saftiger wirken. Der Austausch zwischen analogen und technischen Produktionen wird sichtbar.

Keine Station wird ausgelassen. Fast alles ist mit dieser magischen Maschine gedruckt, vom Flyer bis zur Kunstausstellung: Colorama und Drucken3000 geben einen Workshop, um die Neugierde auf RISO bei Neulingen zu entfachen. Schnell lassen sich mehr als zwanzig Besucher begeistern. Es wird emsig collagiert, gezeichnet, geschnippelt und gedruckt, simultan zu den anderen Programmpunkten.

Eine Auktion schmeichelt Kunstsammlern und Kennern der Drucktechnik. Die Profite werden an The Source gespendet, eine Initiative, die sich bemüht, geflüchteten Newcomern Arbeitsplätze in der Gastronomie zu bieten. Eine Mimeograph Performance von dem Dichter Martin Jackson zeigt eine weitere lebendige Inszenierung der RISO Maschine. Insgesamt werden der Schablonendrucker und seine Technologie, Farben und künstlerischen Outputs zur Schau gestellt. Diverse Drucktechniken und Relikte auf dem Zeitstrahl des Schablonendrucks sind ebenfalls zu sehen. Eine zukurbelnde Mimeographmaschine steht im Kontrast zu den mit bunten Knöpfen zu bedienenden Risographen. Wo der RISO passend zu der Generation Y der Mitte-Zwanziger wirkt, hat die stählerne Gestetner Maschine grosselterliche Ausstrahlung. Die Kunsthochschule Berlin Weißensee stellt ihre Mimeograph Kunstwerke aus.

Das Festival wurde miteinander organisiert. Zwischen den RISO Grafik-, Kunst- und Designateliers, Studios und Kollektiven herrscht keine Konkurrenz. Vielmehr ist es eine Frage der Gemeinschaft. Die Brüder, ein Druckstudio und Herausgeber von ,,Lucky Punch Press” aus Berlin und Hamburg meinen dazu: „Wir helfen uns gegenseitig.” Dass die Menschen, die den RISO bedienen, meistens aus diesem gutmütigen Holz geschnitzt sind, scheint rundum ein zutreffender Stereotyp zu sein. Freundlich, hilfsbereit, kreativ und nachhaltig - wie der Drucker -  ist die Szene, die sich hier trifft.

Eine gemütlich plätschernde Stimmung verdeutlicht, dass hier im Grunde ein Berliner RISO Nachbarschaftsfest stattfindet.

„Ein Event, das außerhalb kapitalistischer Tauschmechanismen operiert und auf Eigeninitiative beruht, ist per Definition politisch, oder zumindest eine soziale Geste.”, proklamiert Komurki. In der Zukunft hoffen die RISO Szenegestalter solche Lichtpunkte wie das RISO Printfest weiterzuführen, dann mit mehr internationalen TeilnehmerInnen und über zwei Tage.

(Text und Bilder: Nina Prader)

Nina Prader ist Künstlerin, Kulturjournalistin und Autorin. Ursprünglich aus Washington D.C., lebt und arbeitet sie in Wien und Berlin. Ihre Werkzeuge sind Texte, Bilder, Comics, Radio und Zines.