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Susanne von Bergner/ Inhaberin Atelier Blumendorf und freischaffende Künstlerin im Interview

Susanne von Bergner Inhaberin Atelier Blumendorf Künstlerinterview Atelier Gut Blumendorf Bad Oldesloe

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Von passionierter Projektmanagerin zur begeisterten Atelierinhaberin. Freiberufliche Malerin, Gouacheuse, Gelplattendruckerin, Buchbinde- und Kalligrafieauszubildende. Risomaniak vom ersten Augenblick an.

Wir stehen hier in einem großen, wunderschönen Studio, das bereit ist für deinen Start als hauptberufliche Künstlerin. Wann geht es los?

Wir starten zum Wintersemester 2022, also im Oktober. Schon in den Schleswig-Holsteinischen Herbstferien bieten wir ein umfangreiches Kinderferienprogramm an. Parallel arbeite ich freiberuflich für meinen ehemaligen Arbeitgeber als Illustratorin und Gouacheuse.

Woher hast du dein großes künstlerisches Know-How?

Atelier Blumendorf Gouache Juwelier Susanne von Bergner Bad Oldesloe

Nach der Geburt meiner Kinder vor mehr als 20 Jahren habe ich angefangen, mich intensiv um meine künstlerische Ausbildung zu kümmern. Ich war immer fasziniert von Farben, insbesondere von Aquarellfarben. Ihrer Leuchtkraft und Vielseitigkeit. Nach einigen Jahren ist dann Acrylmalerei hinzugekommen, abstrakt und gegenständlich. Bis dahin hatte ich akademisches Zeichnen immer von mir geschoben, aber doch festgestellt, dass es den Bildern an etwas mangelte. Über Urban Sketching und die damit verbundene Leichtigkeit und Koloration fiel der Einstieg ins Zeichnen leicht und ein Jahr intensives Zeichentraining folgte. Parallel suchte mein Arbeitgeber nach einer Gouacheuse, die farblich die High Artistry Juwelierprodukte umsetzen konnte. Man gab mir die Möglichkeit, eine Intensivausbildung an der Haute Ecole de Joaillerie Paris im Bereich Gouache-Illustration zu machen. Seit dem arbeite ich in diesem Beruf, zunächst als Angestellte, nun als Freiberufliche. Zeitgleich zu den Gouache-Illustrationen übernahm ich auch die Ausarbeitung aller benötigten, sonstigen Produktillustrationen. Der Beginn der Ausbildung im Bereich Kalligrafie schloss sich ganz natürlich daran an, da die Firma eng mit dem Thema der Schriftkunst verbunden ist.

Wie bist du dazu gekommen, das Atelier Blumendorf zu gründen?

Aufgrund einer Umstrukturierung in meiner Abteilung ergab sich für mich die Möglichkeit einer beruflichen Neuorientierung. So konnte ich den lang gehegten Traum von der Eröffnung eines eigenen Ateliers in die Wirklichkeit umsetzen. Da wir auf dem Gut Blumendorf leben, waren die freien Räume hier vor Ort immer Teil dieses Traumes. Und glücklicherweise wurden mir die Räume für diese Projekt vermietet und entsprechend hergerichtet.

Was hat dich zu RISO gebracht?

Der Zufall. Ich kaufte Papierrestbestände für das Atelier bei einem Anbieter ein, der mit Restposten handelte. Er bot mir einen alten Risographen an. Ich hatte noch nie von diesem Gerät gehört, war aber sofort fasziniert und begann eine intensive Recherche zu diesem Thema. Schnell war klar, dass das angebotene Gerät viel zu alt war. So nahm ich Kontakt mit RISO Deutschland auf, um mich nach gebrauchten Maschinen zu erkundigen. Um die ungewöhnliche Technik und die damit verbundenen Möglichkeiten besser zu verstehen, lud mich der RISO-Vertriebsmitarbeiter zu einem Kunden nach Rostock ein, der uns seinen Risographen für einen Tag zur freien Verfügung überlies. Nach diesem Tag konnte ich mir ansatzweise vorstellen, was alles mit dem Risographen möglich war. Und die Entscheidung war klar. Der Kreis zum Thema Farbe, Farblasur und -mischung schloss sich wieder.

Atelier Farbrange RISO Farben Susanne von Bergner Bad Oldesloe Atelier Risographie

Was sind typische Ergebnisse aus der Arbeit mit dem Risographen?

Da wir den Fokus auf Farbe legen, experimentieren wir viel den Möglichkeiten der Lasur. Die Mischung von Farben ist immer lebhafter und spannender als das Nutzen fertiger Farben. Wir stehen noch ganz am Anfang, aber die Erstellung unserer Farbkarten (Mischung von jeweils 2 Farben ineinanderlaufend und in auf/-absteigender Intensität) hat uns schon begeistert und auch überrascht. Unsere Farb-DNA ist immens!

Was setzt du in der Risographie besonders in den Fokus und warum?

Wir werden den Risographen überwiegend dafür nutzen, unsere eigenen künstlerischen Werke – analog erstellt – in einem Risographie-Kunstdruck weiter zu entwickeln. In der Risographie bleibt die ursprüngliche Beschaffenheit des Originals sichtbar. Ein Bleistiftstrich bleibt als solcher erhalten, Aquarell behält seinen typischen Charakter etc. Gleichzeitig entsteht ein völlig neues Kunstwerk.

Mit welcher RISO-Farbe arbeitest du am liebsten?

Fluo Pink und Gelb (in Mischung)

Wie bereichert MiScreen a4 das Portfolio?

Er ergänzt uns als umweltfreundliche Siebdrucktechnik, mit der wir Akzente in Sonderfarben und Farben wie Acryl-/Gouache- und anderen Siebdruck fähigen Farben auf Risographiedrucke bringen können.

Atelier Blumendorf Kalligrafie  Schriftkunst Kalligraphie Susanne von Bergner Bad Oldesloe Atelier

Welche Expertise bringen deine Dozenten mit?

Zwei Dozenten sind auch an der Kunsthochschule Wandsbek tätig. Peter ist der Experte in allem, was Druckkunst betrifft. Als St. Martins-Absolvent ist er auch ein hervorragender Partner, wenn es um künstlerische Weiterentwicklung oder um das Erstellen eines Portfolios geht. Evelyn ist Dozentin für Kalligraphie, und ihr Steckenpferd ist das Experimentelle. Sie schreibt mit Allem, was Farbe aufnehmen kann. Außerdem ist sie seit langem freiberufliche Kalligrafin und hat viele Jahre auch im Bereich Siebdruck künstlerisch gearbeitet. Über Eveline haben wir Jasna für den Bereich klassische Kalligrafie und Handlettering/ Brushlettering gewinnen können. Auch sie hat langjährige Erfahrung als Dozentin und ist als freischaffende Künstlerin tätig. Und wo Papier beschrieben wird, da werden auch Bücher gebunden. Claudia ist Buchbindemeisterin mit eigenem Geschäft in Bad Segeberg und wird diesen Part übernehmen.

Was wird das Atelier Blumendorf alles für Kunden und Kunstinteressierte bereithalten?

Wir bieten Workshops in den Kategorien Schrift, Buch, Druck und Kunst an. Hinter dem Begriff Kunst verbirgt sich Cyanotypie und die Kooperation mit der Manga-Schule Hamburg. Es werden traditionelle Techniken unterrichtet, aber sehr gern in einer experimentellen Herangehensweise. Vorkenntnisse sind in der Regel nicht nötig, und jeder wird mit einem tollen Ergebnis und Erlebnis nach seinem Workshop nach Hause gehen.

Ist „RISO-Vorwissen“ nötig, um an RISO-Workshops teilzunehmen?

Da die Risographie nicht sehr verbreitet ist, werden wir mit Einführungskursen starten. Unser Kursprogramm ist so flexibel, dass wir bei Bedarf dann Fortgeschrittenenkurse nachträglich in das Programm integrieren können.
Für Risomaniacs – also bereits erfahrenere Risographiedrucker – hoffen wir, in Zusammenarbeit mit Affke von Risopop aus Amsterdam eine Masterclass zu etablieren. Ich denke, es gibt hierfür eine größere Zielgruppe, als wir ahnen. Ich sehe da besonders Fotografen, die aus ihren Fotos Kunstdrucke machen wollen, aber auch Illustratoren.

Über welches Feedback zu deiner Kunst hast du dich besonders gefreut?

Atelier Blumendorf Acryl Acrymalerei Portrait Susanne von Bergner Bad Oldesloe Atelier Kunst
Bei der Illustration in Gouache ist es der verblüffende Realismus, der Staunen auslöst. Der Betrachter möchte das Produkt am liebsten anfassen, hochnehmen und ansehen.
In der Malerei geht es nicht um gefällige, „schöne“ Motive. Es geht um Emotionen. In einer Serie von Portraits war das Ziel, die Emotion der abgebildeten Person zu transportieren. Wenn die Wut eines Kindes den Betrachter quasi anspringt. Wenn dann als Feedback kommt, dass das Bild „etwas mit einem macht“, dann ist das ein großes Kompliment. Dass die Wenigsten es sich an die Wand hängen würden, spielt dabei keine Rolle.

Gibt es Künstler, die deinen Stil beeinflusst haben?

Keine Künstler, nur Lehrer. Dazu zählt meine Lehrerin in Frankreich, die eine ganz spezielle, völlig freie Methode gelehrt hat. Die Arbeit in den workshops des Kunsthaus Schenefeld, wo jeder Schüler individuell und mit offenem Blick begleitet und ausgebildet wird. Den größten Einfluss hatte und hat mein ehemaliger Vorgesetzter als Sparringspartner, Kritiker und Ideengeber. Er ist definitiv mein größter Förderer und artistischer Mentor.

Online: www.atelier-blumendorf.de
Instagram: @atelier_blumendorf

Risographie-Künstlerin Xiyu Tomorrow im Interview

Xiyu Tomorrow Interview Künstlerin

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Xiyu Tomorrow arbeitet als Zeichnerin und bildende Künstlerin. Zuletzt arbeitete sie an der Self-Publishing Reihe “12 Monate x 12 Zines”. Ein Jahr lang – von September 2021 bis August 2022 – baute Xiyu einen Körper, der aus Bildern besteht, beseelt und angetrieben von der Lust am Zeichnen. Dieser Körper erforscht, wie Zeichnung Menschen miteinander in Kontakt bringen kann, ob im Kopf oder im Herzen.
Die visuelle Essay-Reihe kreist um das Politische im Privaten, das Außergewöhnliche im Alltäglichen. Die Essays erscheinen online auf Xiyus Webseite (www.xiyutomorrow.com) und als limitierte, RISO gedruckte Zine-Auflage.

 

Wie lange bist du schon hauptberuflich tätige Künstlerin und wie bist du dazu gekommen?

Die künstlerische Laufbahn kam für mich erst durch den zweiten Bildungsweg. Ich habe 2019 an der HAW Hamburg fertig studiert und arbeite seitdem hauptberuflich mit kreativen (und den damit verbundenen organisatorisch-unternehmerischen) Belangen. Wie viele andere auch habe ich mir als Kind schon gerne Geschichten ausgedacht und gezeichnet. Den Wechsel auf ein künstlerisches Gymnasium habe ich mir als Jugendliche nicht zugetraut, also blieb ich auf einer humanistisch orientierten Schule und studierte zunächst “etwas Ordentliches”. Der Karrierewechsel erfolgte knapp zwei Jahre nach dem Berufseinstieg.
Es kamen viele Gründe zusammen, der größte allerdings wohl, dass ich mich nach kreativer Gestaltung sehnte (und neidisch auf Kolleg*innen gelinst habe, die genau das in ihrem Büroalltag taten).

 

Hast du vorher etwas anderes gemacht?

In meinem anderen Leben war ich in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Das Büro war in Beijing und ich durfte den zwischenstaatlichen Austausch begleiten, war aber auch in unabhängigen Graswurzelorganisationen engagiert.

 

Was hat dich noch einmal besonders zur Risographie gebracht?

An der HAW gab es bereits 2016 einen Risographen, den ich zwar recht früh nutzte, allerdings als eigene Form nie so richtig habe verstehen, geschweige denn mir aneignen können. Über eine Farbebene bin ich damals nie hinausgekommen. Ich würde mich als mittelmäßige bis lausige Druckgrafikerin bezeichnen und bewundere Kolleg*innen, für die das Arbeiten in (Farb-) Ebenen eine eigene Form des Denkens darstellt UND die handwerklich präzise arbeiten können. Daher bin ich froh, dass RISOFORT, meine Drucker*innen des Vertrauens, diesen Teil für mich übernehmen.
Auf die Risographie bin ich erst letztes Jahr wieder gestoßen, da ich für “12 Monate x 12 Zines” auf der Suche nach einer umweltfreundlichen, ästhetisch ansprechenden und kostengünstigen Vervielfältigungstechnik war.  

Printprozess FEDERAL BLUE Xiyu Tomorrow

Printprozess in FEDERAL BLUE

Wie nimmst du die Arbeitsbedingungen wahr, die Kunstschaffende vorfinden?

Meine Lieblingswortentdeckung des Jahres 2021 ist das Cognitariat. Es bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die sehr gut ausgebildet sind und sich zugleich in wirtschaftlich prekären Arbeitsverhältnissen befinden. Meiner Wahrnehmung nach befindet sich ein Großteil der visuell arbeitenden freischaffenden Künstler*innen (und viele Arbeitende anderer Sparten, wie Wissenschaft, Bildung, Gemeinnütziger Sektor, usw.) in diesem Modus.
Die Statistik unterstützt diese Beobachtung und ernüchtert, meiner Meinung nach, noch mehr. Laut Spartenbericht Bildende Kunst (2021) vom Statistischen Bundesamt lebt nämlich ein Drittel der Künstler*innen von einem Netto-Einkommen von 1100 Euro, knapp 60% davon sind Frauen . Je höher das Einkommen, desto geringer wird übrigens der Frauenanteil. Der Bericht attestiert zudem einen strukturellen Gender-Pay-Gap von 30% - unabhängig vom Alter.
Vor dem Hintergrund, dass eine künstlerische Tätigkeit zu mindestens 50%, wenn nicht sogar mehr, aus betriebswirtschaftlichen Dimensionen besteht, finde ich es ehrlich gesagt sehr erschreckend, dass sich so viele Leute nur bedingt aus der eigenen Tätigkeit heraus wirtschaftlich tragen können. Interessant finde ich, dass die obige Statistik (ein binäres Verständnis von) Gender isoliert von anderen Faktoren betrachtet, intersektionale Mechanismen also ausgespart sind.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn es eine breitere öffentliche Diskussion um die Arbeitsbedingungen von Kunst und Kultur gäbe (und Wissenschaft, Bildung, etc.), mehr Gelder (bzw. eigentlich mehr politischen Willen, die Gelder in diese Bereiche zu investieren), paritätische Verteilungsmechanismen, diverse Personalbesetzungen und auch Diskussionen um ein zeitgenössisches Verständnis von dem, was Kunst oder Kultur in einer durchglobalisierten, interdependenten, von Machtstrukturen zersetzten Welt sein soll. Fenster für solche Diskussionen gibt es immer wieder in der einen oder anderen Form.

 

Welche Themen setzt du bei deiner Arbeit besonders in den Fokus und warum?

Ein roter Faden in meiner Arbeit ist das Thema, die Welt aus den Augen einer feministischen, dekolonialen und klassismus-kritischen Position zu betrachten. Vieles ist autobiografisch verankert. Die Welt, in der ich mich hier in Hamburg bzw. Deutschland bewege, ist nur bedingt für Menschen wie mich und meine Eltern bzw. soziale Gruppe gestaltet worden. Das gleiche gilt, wenn ich mich in der Herkunftsregion meiner Eltern bewege. Ich versuche mit meiner Arbeit, den Blick dafür zu schärfen und zu weiten, Räume für diese Perspektiven zu bieten, Repräsentation, aber auch Bewusstsein zu schaffen für die Grautöne, Widersprüche und Ambivalenzen, die ein Leben bietet. Die Themen, an denen sich dieser Blick abarbeitet reichen von Mutter- und Tochterschaft über Sprache bis hin zu Alltagsdingen und Objekten. Ich ziehe verschiedene Methoden für die Erforschung dieses Blicks heran und weiß nicht, ob es über mein persönliches Interesse hinaus tatsächlich einen Erkenntnisgewinn (für andere) gibt, aber it’s a work in progress und es ist vor Allem play.

Beneficiary Auction from the Estate of Lulu Nikita Yang 12 Months x 12 Zines Xiyu Tomorrow

"Beneficiary Auction from the Estate of Lulu Nikita Yang“: was das Leben hinterlässt, wenn es endet. Und was es den Hinterbliebenen von sich erzählt.

Was hat dich zu der Idee „12 Monate x 12 Zines“ inspiriert?

Wie so oft war der ausschlaggebende Punkt für dieses Projekt die Notwendigkeit, einen Förderantrag zu schreiben. Der Projektrahmen konnte bzw. sollte für ein Jahr gehen. Beim Schreiben des Antrags erinnerte ich mich an die Band Oh Wonder. Sie veröffentlichte im Vorlauf zu ihrem Debut jeden Monat einen Song im Netz. Ich fand das ein sehr interessantes Modell und habe nach einigen Recherchen herausgefunden, dass das in der Musik wohl ein gängiges, wenn auch nicht immer von Erfolg gekröntes Format zu sein scheint.
Im Fall von Oh Wonder lief es sehr gut und ich kann mich daran erinnern, wie ich mich jeden Monat aufs Neue auf ein Release gefreut habe. Sodann war das Projekt geboren. Ich hatte ohnehin vereinzelte Arbeiten, viele Ideen und viel Energie in der Schublade, sodass das Format eine gute Lösung war um diesen Anknüpfungspunkten und Impulsen einen Rahmen zu geben und zugleich meine Praxis zu vertiefen.

 

Was kannst du nur mit der Comic-Kunst besonders gut ausdrücken?

Puh. Ich würde mich selbst nicht unbedingt als Comiczeichnerin bezeichnen, auch wenn ich Text und Bild gerne und oft kombiniere. Es gibt Dinge, die ein Text sehr viel besser greifen kann als ein Bild und umgekehrt. Diese Interaktionen, insbesondere die Lücken finde ich am Medium Comic spannend, wobei ich das für alle möglichen Text-Bild Interaktionen gleichermaßen fassen würde (und ist übrigens mit Hinblick auf RISO eine interessante Parallele).
Was besonders gut geht in dieser Kombination ist für mich das Erzählen von inneren Zuständen über eine gewisse Zeitlichkeit hinweg. Das hat einige Anklänge zu filmischen Arbeiten, jedoch finde ich es spannend, dass die lesende Person das Tempo selbst bestimmen kann. Es gibt in der Literaturwissenschaft die Rezeptionstheorie, die postuliert, dass Arbeiten erst durch die Wahrnehmung der Betrachtenden entstehen. Ich kann dem viel abgewinnen, dieser Autonomie und Mitbeteiligung der Rezipient*innenschaft in der Entstehung einer Arbeit. Und finde, das kann mit Comic bzw. Text-Bild, besonders gut gehen.

Maria Xiyu Tomorrow 12 Months x 12 Zines

In der finalen Ausgabe der "12 Months x 12 Zines" lässt Xiyu einen ganz anderen Blick auf die Figur der Maria werfen.

 

Welches deiner Werke würdest du als dein, für dich persönlich, wichtigstes bezeichnen?

Schwierig. Unterschiedliche Arbeiten sind unterschiedlich wichtig bzw. sprechen verschiedenes an. Meine Abschlussarbeit an der HAW, eine semi-fiktionale Autobiographie zwischen Künstlerbuch, Comic und freier Zeichnung war insofern wichtig, als dass das die Arbeit ist, auf die ich jahrelang hingearbeitet habe, ohne, dass es mir vielleicht wirklich bewusst war, für die ich erwachsen geworden bin - sowohl persönlich, als auch künstlerisch.

 

Über welches Feedback zu deiner Kunst hast du dich besonders gefreut?

Ausgehend vom Gedanken der Rezeptionstheorie sehe ich mich eher als Impulsgeberin, weniger als Vermittlerin einer bestimmten inhaltlichen Aussage. Die Arbeiten existieren unabhängig von mir, und ich freue mich daher am meisten, wenn meine Arbeiten etwas in ihren Betrachter*innen berühren, diese mit ihren eigenen Interpretationen, Gedanken, Assoziationen zur mir kommen und teilen. Ich habe wunderschöne Geschichten gehört von Enkelinnen, deren verstorbene Großväter durch Zeichnungen wieder in Erinnerung kamen, von Freund*innen, die nach der Lektüre eines Zines Mut gefasst haben, von Menschen, die sich und ihre Geschichte in meinen Arbeiten wiedergefunden und zugleich die Brücke zu einer anderen, äußerlich gänzlich anderen Lebensrealität geschlagen haben.

 

Gibt es Künstler, die deinen Stil beeinflusst haben?

Viele! Oft fühle ich mich weniger als Unikat als als Mogelpackung, zusammengestellt aus vielen. Ich begeistere mich für die intellektuelle Schärfe von Chimamanda Ngozi Adichie, die Menschlichkeit von Toni Morrison, die Experimentierfreude von Cai Guo Qiang, ich liebe die Arbeiten von Karin Mamma Andersson und Jockum Nordström, ich bewundere das Engagement von William Kentridge, ich schätze den Feingeist von Leanne Shapton, die Wärme und Spielfreudigkeit von Henri Matisse, die klare Poetik von Ruth Wolf-Rehfeldt, die Eeriness von Anke Feuchtenberger, die Bestimmtheit von Kyung-hwa Choi-ahoi, den Witz von Liv Strömqvist, die Verträumtheit von Tove Jansson, die Aufrichtigkeit von Cheryl Strayed, die Absurdität von Woshibai, um nur einige zu nennen.

XiyuTomorrow_RISOFORT 12 Months x 12 Zines Thomas Köck

Das Individuum in der täglichen Melange aus gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Xiyus Kunst erzählt hieraus Lebensgeschichten in all ihren Facetten.

 

Was ist typisch für Kunstwerke, die in Risographie entstehen?

Je nach verwendetem Material (Papier, Farbauftrag, etc.) wird ein Druck vermutlich sehr unterschiedlich aussehen, daher wage ich nicht zu sagen, was typisch für die Art von Technik ist. Der matte Farbauftrag vielleicht?
Ich persönlich liebe die Frische der Farben und die Blitzer beim Übereinanderdrucken der Ebenen, die Interaktion zwischen langsamst auftrockender Farbe und Betrachter*innenfinger, die Ungenauigkeiten der Bildwiedergabe. Die mechanischen Einschränkungen im Herstellungsprozess gehören für mich ebenso zum Charme genau wie die relative Niedrigschwelligkeit. Die potentiell große Farbauswahl überfordert mich immer wieder. Ich glaube, der Prozess gehört ebenso dazu wie das Ergebnis.

Dazu kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit. Ich glaube, dass der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur auf unsere Umweltressourcen zutrifft, sondern auch auf personelle, strukturelle, ökologische und diskursive Faktoren. Ich finde, die RISO-Community hat da schon einen Blick drauf und würde sagen, dass das für mich auch ein Faktor ist, der diese Technik auszeichnet, oder zumindest begleitet.

 

Mit welcher RISO-Farbe arbeitest du am liebsten?

Schwer zu sagen. Mir fallen Farben schwer. Vermutlich VIOLET?

 

Was bedeutet Risographie für dich persönlich?

Für mich ist es zunächst eine interessante Vervielfältigungstechnik. Als ehemalige Ostasienwissenschaftlerin finde ich das Geschäftsmodell von RISO übrigens sehr interessant. Davon abgesehen ist es, zumindest im visuellen Bereich, vor Allem eine Community, die ich sehr schätzen gelernt habe. Nicht zuletzt durch meine Lieblingsdrucker*innen habe ich die Welt um RISO als sehr aufgeschlossen und kollaborativ erlebt.

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h3>Gibt es schon Projekte, die du nach „12 Monate x 12 Zines“ verwirklichen willst?

Ehrlich gesagt möchte ich nach 12 Monate x 12 Zines erstmal Pause einlegen. Danach würde ich mir gerne Gedanken zu einer feministischen Science-Fiction machen. Einen Titel hätte ich schon: Intergalaktisches Burn-Out. Es soll unter anderem um die moderne Reproduktionsmedizin gehen. Mal sehen.

 

Hast du einen Rat für alle jungen RISO-Künstler und -Künstlerinnen, die ihr erstes, eigenes Kunstprojekt planen?

Let it be play.


 

Online: www.xiyutomorrow.com
Instagramm: @xiyu.tomorrow

unverblümelt – im Interview mit Tine Kopplin

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Aus der Rubrik: Risographie Künstler*innen im Interview

Tine Kopplin, Inhaberin unverblümelt, im Interview mit Laura Busse, Marketingassistentin, RISO (Deutschland) GmbH: Von der zufälligen Entdeckung des Risographen

Tine Kopplin ist seit 22 Jahren selbständige Fotografin und Grafikdesignerin mit ihrem Unternehmen unverblümelt. Mehr erfahren

Kennen Sie schon SuperjujuPress?

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Aus der Rubrik: Risographie Künstler*innen im Interview

Das Druckunternehmen SuperjujuPress von Julia Rein ist vor gut einem Jahr aktiv in die Risographie mit dem Kauf von 2 Risographen, einer MZ 770 und einem FR2950, eingestiegen.

Neben der Risographie betreibt sie seit 10 Jahren erfolgreich ihren Conceptstore Superjuju. Hier werden unter anderem Comics sowie viele andere großartige Dinge für Haushalt, Spiel und Spaß über Schmuck bis hin zu Post- und Grußkarten angeboten. Mehr erfahren

RISOGRAPH BOX zum 40-jährigen Jubiläum des RISOGRAPHEN

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Drucken Sie mit uns Ihren eigenen Mini-Risographen. Zum 40-jährigen Jubiläum des Risographen hat unser Mutterkonzern diese großartige Druckvorlage erstellt:

 

Einfach ausdrucken, ausschneiden und zusammenstecken – und fertig ist Ihr eigener kleiner Mini-Risograph. Cool, oder? Mehr erfahren

40. JAHRESTAG – Alles Gute zum Geburtstag RISOGRAPH

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Der RISOGRAPH wurde am 23. April 1980 geboren

Der Ursprung der RISOGRAPH-Serie ist der Mimeograph, eine Art Schablonendruckstil, der angeblich von Thomas Alva Edison erfunden wurde. Über lange Jahre hat RISO weiterhin den Schwerpunkt auf die Schablonendrucktechnologie gelegt. Der Schablonendruck ist eine Druckmethode, bei der Perforationen in einem Master und Tinte durch die Löcher gedrückt werden, um ein Bild auf Papier zu übertragen. Obwohl dies ein äußerst einfacher Prozess ist, erforderte die Herstellung der Master und das Ausführen des Druckens einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand. Mehr erfahren

Gemacht für die neue Generation von Risographen

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RISOs Tinte auf Reiskleieöl-Basis

Jetzt mit erhöhtem Biomasseverhältnis für eine gesündere Umwelt.

Nachhaltigkeit

Effektiver Einsatz von Ressourcen und Verringerung von Abfallmengen

Unsere Tinte für Risographen auf Basis von Reiskleie-Öl trägt zur ökologischen Nachhaltigkeit bei, denn Reiskleie ist ein Rohstoff ohne VOC (Flüchtige organische Verbindungen), der sonst weggeworfen werden würde. Wenn dieser also für Tinte verwendet wird, reduziert es Abfall. Nach der Ölgewinnung wird die Kleie zudem anschließend als Dünger oder Tierfutter verwendet. Mehr erfahren

Lange Jahre Pause und direkt wieder ein voller Erfolg

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Danke für das zahlreiche Erscheinen beim Open House Day in Berlin! Von 9 bis 16 Uhr standen die Türen der RISO Niederlassung in Berlin offen.

 

 

Der Open House Day Ende November 2019 stand unter dem Motto: Der Umwelt zuliebe grün kopieren. Mehr erfahren

GUTE AUSSICHTEN – junge deutsche fotografie 2018/2019

& GRANT II - 13. JULI – 3. OKTOBER 2019

HAUS DER PHOTOGRAPHIE / DEICHTORHALLEN HAMBURG (Deichtorstr. 1-2, 20095 Hamburg)

Das Projekt gute aussichten – junge deutsche fotografie ist ein angesehener Wettbewerb für junge Fotografie, der bereits im 15. Jahr stattfindet. Hierzu werden deutsche Hochschulen und Akademien, die einen Studiengang für Fotografie anbieten, eingeladen Abschlussarbeiten für diesen Wettbewerb einzureichen. Mehr erfahren

Druck Druck Druck: Druck-Gemeinschaften aus Berlin und darüber hinaus

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-Nina Prader

Seit dem 12. April hat sich die Galerie im Körnerpark in Neukölln, Berlin zu einem Gemeinschaftszentrum und lebendigen Verlagshaus verwandelt.

Die Ausstellung Druck Druck Druck Mehr erfahren