Interview mit Sophia von woelfins

 

Kurzvorstellung:

Ich bin Sophia (29) und habe 2021 mit woelfins eine Online-Galerie für nachhaltige Kunstdrucke gegründet. Mittlerweile gibt es zur Online-Galerie auch ein Risographie-Studio in Krefeld. Von dort aus arbeite ich und gebe Workshops. Mit meiner Arbeit für woelfins kann ich zwei Herzensthemen miteinander verbinden: Kunst und Umwelt. Die Kunstdrucke werden ausschließlich im Risographieverfahren hergestellt und auf Recyclingpapier gedruckt. Zudem werden 5% des Umsatzes aus den Drucken fest an ein Umweltschutzprojekt gespendet.

 

Wie lange bist du schon Risographie-Künstlerin und wie bist du dazu gekommen?

Ende 2020 stand für mich fest, dass ich den Sprung in die kreative Selbstständigkeit wagen möchte und eine Online-Galerie für junge Kunstdrucke gründe. Das Projekt sollte so nachhaltig wie möglich aufgestellt werden und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich auf die Risographie gestoßen bin. Eine Siebdruck-Liebhaberin war ich schon immer, aber die Risographie faszinierte mich sogar noch ein bisschen mehr. Nach einer „Kennenlernphase“ war ich ihr so verfallen, dass feststand, dass die Kunstdrucke meiner Online-Galerie ausschließlich im Risographie-Verfahren entstehen sollen.

 

Was hast du vorher gemacht?

Ich habe Soziologie & Sozialpsychologie in Köln studiert und hatte danach ein paar spannende Berufsjahre in einer Mediaagentur. Das kreative Handwerk war aber schon immer ein Hobby und Ausgleich für mich, so brachte ich mir während des Studiums beispielsweise das Siebdrucken bei. Der Wunsch, kreativ und selbstständig an einem eigenen Projekt zu arbeiten und dabei auch meine eigene Kunst einfließen lassen zu können, begleitet mich schon immer und wurde schließlich so laut, dass ich gar nicht mehr anders konnte.

 

Was ist typisch für Kunstwerke, die in Risographie entstehen?

Was ich besonders spannend finde ist, dass die Risographie wie kein anderes digitales Druckverfahren in den künstlerischen Prozess eingreift. Sie ist wie eine Zutat, die man einem Werk am Ende beigibt – ohne zu wissen, was genau dabei herauskommt. Es geht nicht darum, eine exakte Kopie des Originals oder des digitalen Entwurfs zu erzeugen. Im Gegenteil: Als Künstlerin gebe ich ein bisschen Kontrolle an den Risographen ab. Und das Ergebnis überrascht mich fast immer in irgendeiner Weise.

 

Wie haben die woelfins-Künstler*innen zusammengefunden?

Bisher arbeite ich bei woelfins mit 5 Künstler:innen zusammen und es werden sicher noch einige Künstler*innen folgen. Jede Zusammenarbeit ist einzigartig und ergänzt das Portfolio in eine ganz neue Richtung. Die meisten Künstler:innen habe ich über Instagram kennengelernt. Instagram bietet eine super Möglichkeit, dass sich beide Seiten schnell und unkompliziert ein erstes Bild machen können. Oft hat man so vor dem ersten persönlichen Kennenlernen schon ein Bauchgefühl dafür, ob es für eine Zusammenarbeit passen könnte.

 

Wie bist du auf den Studionamen gekommen und was drückst du darin aus?

Das ist schnell erklärt: woelfins leitet sich von meinem Nachnamen „Wolf“ ab und ist sozusagen die Genetivform eines weiblichen Wolfs. Das Studio ist damit „woelfins“ Studio, also quasi mein Studio – mein ganzer Stolz :).

 

Welche Motive setzt du ganz besonders gern um?

Aktuell freue ich mich vor allem über die Abwechslung in den Motiven und Stilen. So habe ich bei jeder Riographie das Gefühl, wieder einiges dazu gelernt zu haben, ob in der digitalen Aufbereitung oder beim Druckprozess selbst. Aber wenn knallige Farben wie zum Beispiel Fluo Pink Teil des Motivs sind, freue ich mich natürlich ganz Besonders. Dann kann die Risographie so richtig glänzen!

 

Woher nimmst du deine Inspiration für Motive und Produkte?

Meine eigene Kunst ist überwiegend von der Natur inspiriert. Oft bekomme ich aber erst hinterher ein Gefühl dafür, was mich inspiriert haben könnte. Das nehme ich während des künstlerischen Prozesses (noch) gar nicht so wahr. Bei meinen letzten Arbeiten scheint beispielsweise das Meer ein Leitmotiv gewesen zu sein. Das habe ich selbst erst im Nachhinein so deutlich wahrgenommen und war dann überrascht davon, dass meine Arbeiten alle irgendetwas mit Wasser zu tun haben.

 

Welches war bisher dein wichtigstes RISO-Projekt?

Ich glaube, die Online-Galerie selbst kann man als mein wichtigstes RISO-Projekt bezeichnen. Sich beim Aufbau der Online-Galerie ausschließlich auf Risographie-Kunst zu konzentrieren war eine große Entscheidung für mich. Ich möchte zeigen, dass Risographien an jeder Wand echte Hingucker sind. Viele meiner Kund:innen kannten die Risographie vorher nicht, dass macht es für mich umso spannender.

 

Über welches Feedback zu deiner Kunst hast du dich besonders gefreut?

Ich freue mich immer sehr darüber, wenn ich merke, dass ein Werk zu unterschiedlichen Interpretationen einlädt und bei den Betrachter:innen unterschiedliche Assoziationen entstehen. Oft sind das dann Assoziationen, die ich selbst bisher noch gar nicht hatte, weil man als Künstlerin einen voreingenommenen Blick auf seine Arbeit hat. Auf diese Art und Weise von seiner eigenen Kunst überrascht zu werden, ist großartig.

 

Mit welcher RISO-Farbe arbeitest du am liebsten?

Aktuell sind es Fluo Pink und Aqua. Nächste Woche würde ich die Frage vermutlich schon wieder anders beantworten.

 

Was bedeutet Risographie für dich persönlich?

Charakter, Werte und Offenheit im künstlerischen Prozess.

 

Hast du einen Rat für alle jungen RISO-Künstler*innen, die ihr eigenes Unternehmen planen?

Nehmt euch die Zeit, eure Motivation kennenzulernen und euch zu fragen, was euch an der Selbstständigkeit fasziniert. Manchmal scheint es (gerade bei Social Media) so, als wäre die Selbstständigkeit die ultimative und einzig wahre Form der Selbstverwirklichung, aber das ist Quatsch. Und dann: Volle Kraft voraus, Fragen stellen, Ratschläge annehmen, Ratschläge auch mal ablehnen, Fehler machen, Lernen und – ganz wichtig – zum eigenen Traum stehen.

 

 

 Kontakt:

Online-Galerie: www.woelfins.de

Instagram: @woelfins.de